Da warten wir auf den Taifun, und dann kommt ein Erdbeben. Wir sind grade ziemlich froh, nicht mehr in Hualien zu sein, denn wenn das stimmt, was auf der Seite des Central Weather Bureaus steht, dann gab es dort gerade (01:36 Ortszeit Taiwan) ein Beben der Stärke 6.3 auf der Richterskala. Hier in Taichung waren es noch 3.0, ich habe schon geschlafen, aber Henrik hat sich ziemlich erschrocken, weil das Bett doch ganz schön gewackelt hat. Ich werde jetzt gleich mal eine Mail an Shih-Chieh schreiben und hoffe, dass dort alles in Ordnung ist.
Gute Nacht…
Oktober 3, 2009
Und noch ein Update…
September 29, 2009
Raindrops keep falling on my head
Dieses Mal ein zeitnahes und deswegen kürzeres Update – nach einem Tag in Hualien ist es vorbei mit dem schönen Wetter. Als wir heute früh zur Uni gelaufen sind, standen Teile der Gehwege knöcheltief unter Wasser, so dass wir eher gewatet als gelaufen sind. So wie es aussieht, könnte es gegen Ende dieser/Anfang nächster Woche noch um einiges feuchter werden, denn der Taifun Parma ist im Anmarsch – genauere Infos zur Entwicklung und dem genauen Weg, den der Sturm zurücklegen wird, findet ihr auf der Wetterwebsite – links unter Typhoons. Wir sind gespannt. Aber dieser Regen hier ist so wundervoll – erfrischend, warm, angenehm, man ist versucht, einfach gar keinen Regenschirm zu benutzen, aber das würde in Kombination mit den klimatisierten Räumen wahrscheinlich nicht gut enden.
Heute vormittag habe ich dann meinen Vortrag hinter mich gebracht – wirklich viel verstanden hat glaube ich aber niemand, da es erstens das Englischproblem gibt, und außerdem die Studenten sich hier eher mit Pflanzen und Atmosphäre beschäftigen – nicht mit Boden. Henrik saß tapfer hinten drin, und hat sich angehört, was ich so treibe, wenn ich nicht in Berlin bin. Danach sind wir mit Shih-Chieh und den Studenten an einen kleinen See gefahren und haben dort in einem Ureinwohnertouristenrestaurant gegessen – unglaublich lecker. Man holt sich eine kleine Schale mit Reis, und dann werden alle anderen Gerichte auf dem Tisch buchstäblich aufgehäuft – soviel zu essen (Shrimps, Schweinehaut, ein ganzes Huhn, eine Art Pfannkuchen mit einem komischen Kraut, eine Art Tortilla, viele verschiedene uns völlig unbekannte Gemüse mit viel Knoblauch, Bittermelone, Guave, Gebäckröllchen, Tofu… – und dann bedient sich jeder von allen Tellern. Ich muss sagen: ich liebe diese Art zu essen! Henrik hat die Anwesenden erst mit seinen Fähigkeiten, eine Flasche Bier mit einem Feuerzeug zu öffnen, beeindruckt, und dann mit seinen nicht vorhandenen Fähigkeiten, einen Shrimp zu verzehren, amüsiert. Alles in allem war es superlustig, lecker und entspannend, mitten in diesen wahnsinnig grünen und wolkenverhangenen Bergen zu sitzen.
Morgen um viertel vor elf fahren wir mit Tien-I nach Yilan, um eine Ladung Wäsche bei Chiao-Ping zu waschen – und natürlich auch, um die nächste Projektbesprechung hinter uns zu bringen. Und dann geht es endlich in die Berge. Henrik hat inzwischen von mehreren Seiten bestätigt bekommen, dass es wirklich sehr kalt sein könnte – denn eine Heizung gibt es da oben ja nicht. Und heute früh hat er sich geärgert, dass der vorgestern in Taipei eine Sonnenbrille und nicht einen Regenschirm gekauft hat
Ich muss sagen, dass ich ganz schön froh bin, ihn dabei zu haben, nicht nur aus den naheliegenden Gründen
sondern einfach auch deswegen, weil es sich zu zweit einfach so viel besser reisen lässt. Inzwischen habe ich auch Gimp auf meinem Rechner, deswegen gibt es heute auch ein paar nettere Bilder zu sehen…
September 28, 2009
Von Taipei nach Hualien
Die erste Etappe haben wir hinter uns – ein bißchen anspruchsvoll, aber mit unseren überragenden Chinesischkenntnissen haben wir auch diese Hürde meistern können
Die Zugfahrkarten nach Hualien am Schalter zu bekommen, war eher unmöglich – die freundlich lächelnde Dame wies uns darauf hin, dass sie uns nicht verstünde, und wir doch bitte zum “information desk” gehen sollten. Hualien hätte sie vielleicht verstanden, allerdings mussten wir ein paar Stationen weiter nach Shoufeng – das ist die Haltestelle, die am nächsten an der Uni liegt. Am “information desk” wurde uns dann geholfen, alles auf Chinesisch aufgeschrieben, und als wir uns gerade wieder am Schalter einreihen wollten, kam uns sogar jemand hinterhergelaufen und hat für uns die Tickets im Eilverfahren am Automaten geholt. Dass der Automat tatsächlich auch Englisch spricht, wurde uns dann erst klar. Allerdings wäre es trotzdem nicht ganz simpel gewesen, die Karten zu bekommen, aber jetzt wissen wir, wie es geht, und vielleicht schaffen wir es das nächste Mal auch ganz alleine
Als wir heute früh um 07:00 Uhr dann am Gleis standen, hatten die Züge, die vor unserem Zug ankamen Verspätung (das wurde tatsächlich auf den Anzeigetafeln auf Englisch angezeigt). Was aber nicht angezeigt wurde, war die Gleisänderung für unseren Zug. Zum Glück fuhr der am gleichen Gleis gegenüber und zum Glück hatten wir uns vorher ausgiebig aus Langeweile mit den Schriftzeichen des Zielortes unseres Zuges auseinandergesetzt, so dass uns zum Glück aufgefallen ist, dass dieser Zug auf dem anderen Gleis angezeigt wurde. Wie gesagt….unser perfektes Chinesisch *hüstel*
Bei leichtem Regen ging es dann drei Stunden lang die Ostküste hinunter über Yilan und Hualien nach Shoufeng, wo wir von Tien-I (einem Studenten, den ich noch vom letzten Mal kenne) aufgesammelt wurden, und zum Gästehaus gebracht wurden. Der Preis pro Nacht ist etwas günstiger als in Taipei, aber das Zimmer ist größer und etwas luxuriöser. Frühstück ist ebenfalls wieder mit drin. Eine Stunde später hst uns Shih-Chieh (der Professor des Lehrstuhls, mit dem wir zusammenarbeiten), dann abgeholt und zum Mittagessen eingeladen, und jetzt sitzen wir beide im Labor, Henrik hat ebenfalls Internetzugang und kann ein bißchen die Zeit totschlagen, während ich meine Präsentation fertigmache. Morgen um 10:00 Uhr darf ich hier vor versammelter Mannschaft meine Ergebnisse vorstellen. Mal sehen, was das wird.
Die letzten Tage in Taipei waren warm und schwül, wir sind unglaublich viel gelaufen, denn Busfahren ist eher eine Herausforderung. U-Bahn ist kein Problem, alles ist sehr gut auf Englisch ausgeschildert, aber Busschilder bleiben eher unleserlich. Trotzdem konnten wir schon ein paar Mal das Busfahren genießen, wenn wir mit Bekannten von mir unterwegs waren – in die Linienbusse passen wir kaum hinein, weder stehenderweise (da fehlen nach oben ein paar Zentimeter zum entspannten Stehen), noch sitzenderweise (da fehlen nach vorne ein paar Zentimeter zum entspannten Sitzen).
Am Samstag haben wir uns dann mit John und Ming-Jer getroffen. John habe ich damals auf dem Hinflug nach Taiwan kennengelernt – er ist fast so groß wie ich und kam damals von einer Deutschland/Österreich/Schweiz-Express-Rundreise. Er gab mir seine Visitenkarte und ich habe mich damals dann spontan bei ihm gemeldet, als ich in Taipei war. Er hat sich jeden Abend Zeit genommen und mir noch etwas von der Stadt gezeigt, die Verständigung klappt auch sehr gut. Ming-Jer hatte ich – wie Tien-I auch – bei meinem ersten Aufenthalt in Hualien kennengelernt.
Vormittags haben wir uns das riesige Chiang-Kai-Shek-Memorial angeschaut, dann gab es Mittagessen in einem typisch taiwanischen Restaurant – der Klassiker: beef-noodle soup – eine Nudelsuppe mit Rindfleischstücken – sehr beliebt in Taiwan. Ich habe mich eher auf die Nudeln mit einer unglaublich leckeren Sojasauce – oder zumindest sowas ähnlichem – gestürzt. Nachmittags sind wir dann in den Botanischen Garten, das Historische Museum und den Konfuziustempel, wo gerade eine Art Generalprobe stattfand. Heute ist der große Tag für Konfuzius und der Tag der Lehrer – und die Zeremonie wurde am Samstag geprobt. Sehr beeindruckend, auch wenn uns keiner genau sagen konnte, was da genau gemacht wurde. Die Farben, die Musik, die Gerüche, viele Kinder, die daran beteiligt waren. Religion mal ganz anders.
Am Abend sind wir dann nach Danshui gefahren, das ist der Ort, wo der Fluss Danshui, der auch durch Taipei fließt ins Meer mündet. Der Ort ist bekannt für seinen Nachtmarkt und da es Samstag abend war, war es dementsprechend voll. Ein paar Freunde von John kamen auch noch mit dazu und so haben wir uns dann unter fachkundiger Anleitung einmal quer durch den Markt gefressen – anders kann man das kaum nennen
Am Abend waren wir dann so fertig, dass wir uns den Sonntag erstmal fürs Ausschlafen reserviert haben.
Der Plan ging nicht ganz auf, nachdem irgendwann das Zimmermädchen sehr vehement gegen die Tür klopfte, obwohl wir das “Do not disturb” rausgehängt hatten. Die folgende Szene hätte ich ja gerne auf Video:
Ich torkele sehr verschlafen in die Bettdecke gehüllt an die Tür und mache auf, vor mir steht das Zimmermächen und gestikuliert Richtung Zimmer.
Ich: “No, it’s ok, you don’t need to clean it today, it’s fine!”
Sie sieht mich fragend an und schüttelt den Kopf: “No?”
Ich: “No, it’s ok!”
Sie deutet ins Zimmer: “Yes?”
Ich schüttele den Kopf: “No, it’s ok!”
Sie versucht, ins Zimmer zu gehen: “Ok?”
Ich stelle mich ihr in den Weg: “No, no, you don’t need to!”
Sie deutet in den Flur und bewegt sich Richtung Aufzug: “Yes, yes?”
Ich: “Yes, it is ok!”
Und dann verschwand sie, und wir konnten endlich weiterschlafen.
Nachdem wir dann doch irgendwann gegen halb eins aufgestanden waren, sind wir zum Taipei Museum of Fine Arts gefahren und haben uns eine sehr coole Pixar-Ausstellung angesehen – http://www.tfam.museum/index.aspx.
Dummerweise war Sonntag nicht der ideale Museumstag, es war unglaublich voll, und wir liefen im Gänsetempo in einer sich sehr langsam fortbewegenden Schlange an den Ausstellungsstücken vorbei. Nach 10 Minuten habe ich dann Ohropax und Henrik seinen mp3-Player benutzt, weil es so unglaublich laut war, dass man Kopfschmerzen bekommen hat. Die Ausstellung war trotzdem sehr sehr cool. Am Abend haben wir dann noch einmal John getroffen und haben mit ihm Shabu-Shabu gegessen – eine Art japanisches Fondue und ein bißchen das Taipei 101 und die angrenzenden Kaufhäuser unsicher gemacht, bevor wir uns dann das Wahlergebnis angetan haben. Nach einer kurzen Nacht ging es dann zum Bahnhof.
Hier in Hualien werden wir bis Mittwoch früh bleiben, am Mittwoch werden wir dann wohl nach Yilan fahren – angeblich steht der Plan noch, wir lassen uns überraschen. Dann zwei Tage in die Berge, Henrik bekommt langsam Angst, dass es dort in der Nacht wirklich so kalt ist, wie ich erzählt habe – auch wenn man sich das bei 28-30°C und den 80% Luftfeuchtigkeit, die wir hier haben, schwer vorstellbar ist.
Vielleicht fahren wir dann noch einen Tag nach Hualien zurück und schauen uns einen Nationalpark hier in der Gegend an (Taroko Gorge – den ich schon kenne), vielleicht fahren wir auch zurück nach Yilan – denn wir haben gehört, man soll dort Surfen können. Henrik hat den Pazifik heute vom Zug aus schon einer kritischen Musterung unterzogen, ich glaube, er kann es kaum noch erwarten
Mehr gibt es dann morgen oder übermorgen, ein paar Fotos laden wir dann extra hoch, wir müssen die Bilder erst noch auf meinen Laptop überspielen.
September 22, 2009
Noch einmal schlafen – ein bißchen zumindest…
Henrik sitzt neben mir und näht Schlaufen an seine Fototasche, damit man sie am Gürtel tragen kann – mein Gott, wie ich mich auf seine Fotos freue
Ich packe die letzten Dinge in meine neue Crumpler-Tasche – ich fürchte, ich bin jetzt auch crumplersüchtig. Für Freitag abend haben wir schon ein Dinnerdate, allerdings habe ich immer noch keine Nachricht von Chiao-Ping. Sie arbeitet am TFRI (Taiwan Forestry Research Institute), wo ich am Freitag einen Vortrag halten und mir am Donnerstag eigentlich die Schlüssel für das Gästehaus abholen soll. Ich bin gespannt, ob wir, wenn wir am Donnerstag nach 13 Stunden Flug und Transfer vom Flughafen zum TFRI dann überhaupt einen Schlüssel bekommen. Immerhin werde ich nicht wie letztes Mal das Problem haben, dass der Portier mich nicht versteht – Henrik hat darauf bestanden noch eines von diesen äußerst praktischen “Point-It”-Sprachführern mitzunehmen – für die, die es nicht kennen: da ist kein einziges Wort drin, sondern nur Fotos, auf die man zeigen kann. Gestern habe ich mir noch den Wikipedia-Artikel über taiwanische Küche ausgedruckt, netterweise stehen da die taiwanischen Schriftzeichen jeweils dahinter – dann müssen wir auch nur noch draufdeuten.
Morgen geht es zwischen 3 und halb 4 los, Abflug ist dann um 11:20 Uhr und Ankunft in Taipei am Donnerstag morgen, Ortszeit 06:25 Uhr. Dann durch die Rushhour mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hauptbahnhof und von da entweder weiter mit der U-Bahn oder dem Taxi zum Schlüssel abholen (oder auf Schlüssel warten)…
Und dann? Kurz den Kopf unter den Wasserhahn halten, vielleicht 20 Minuten schlafen und dann raus in die Großstadt, aufpassen, dass man nicht vom Motorroller überfahren wird, erste lustige Essenserfahrungen machen – zumindest Henrik – den ersten Tempel, mal sehen, was das Wetter sagt, und wie fit wir sind. Und wenn wir Glück haben, kommen wir ins WLAN des Gästehauses und ihr könnt am Donnerstag oder Freitag dann den ersten Bericht aus Taipei lesen.





