Taiwan – once again.

Oktober 4, 2009

Zwischenstopp in Taichung

Einsortiert unter: Arbeit, Erdbeben, Essen, Ilan, Taichung, Taifun — giraffe @ 3:31 vormittags

So. Guten Morgen erstmal. Nach einem schnellen Frühstück im Hotel (Henrik hatte die kleinen Fische mit Augen – ich hatte die zum Glück nicht) liegen wir etwas platt im Hotelzimmer und werden wahrscheinlich gleich nochmal eine Runde schlafen – hoffentlich gibt es nicht wieder so ein Roomservice-Intermezzo wie beim letzten Hotelaufenthalt.

Aber zurück zu Mittwoch. Tien-I und seine Freundin haben uns nach Hualien gefahren und zu vier sind wir dann in den Zug nach Yilan gestiegen. Dort wurden wir etwas verspätet von Chiao-Ping abgeholt und erstmal zum Essen entführt – Nudeln in allen Variationen – dort trafen wir dann eine Bekannte von Tien-I, die uns allen erstmal das Essen spendiert hat. Danach haben wir Min-Tze – die Tochter von Chiao-Ping – von der Schule abgeholt – und sind in das unglaublich große Haus gefahren, für das sie nur 150 EUR Miete im Monat zahlen.

Ich habe mich sofort auf das Klavier gestürzt, Chiao-Ping hat sich erstmal mit Henrik auf eine Zigarette auf die Dachterrasse verzogen und dann ging es los mit dem Arbeiten. Henrik hat währenddessen selig auf der Couch geschlafen, während ich in die Details des Versuchaufbaus und der Ergebnisse eingeweiht wurde. Ich muss sagen: der Nachmittag hat sich gelohnt. Ich bin um einiges schlauer als vorher, und habe somit (hoffentlich endlich) das Material für de vierten Artikel zusammen.

Nachdem Chiao-Ping und Tien-I noch weiterarbeiten mussten, wurden wir beide kurzerhand in das Auto ihrer Freundin gesteckt, die ihre beiden Kinder abholte – die Nachmittagsbetreuung lag an diesem Tag bei Chiao-Ping. Von ihr wurden wir wurden wir dann nach Luodong gefahren – Nachtmarkt – wir kommen! Der Nachtmarkt war natürlich um einiges kleiner, als die in Taipei und wir hatten schnell den Stand mit der längsten Schlange und folglich dem besten Essen ausgemacht. Unsere ersten zaghaften Annäherungsversuche wurden von einer Horde Mädchen unterbunden, die unbedingt ein Foto mit uns wollten. Diesen Wunsch konnten wir ihnen natürlich nicht abschlagen, und als die Fotosession vorbei war, war die Schlange so lang geworden, dass wir beschlossen, noch etwas zu warten und uns die Zeit mit einem frischgepressten Saft zu vertreiben. Im zweiten Anlauf wurden uns dann sehr schnell mit viel Herumgestikuliererei zwei winzige Hocker an einem der winzigen Plastiktische zugewiesen und dank unserer hervorragenden Chinesischkenntnisse bestellten wir zweimal Stinky Tofu. Unsere Frage, ob es auch noch etwas mit Reis geben würde (sprich: Deuten auf den entsprechenden Eintrag im Lonely Planet) wurde mit einem Wortschwall beantwortet. Es ist immer wieder faszinierend, wie völlig schmerzfrei alle Versuche, irgendetwas in Erfahrung zu bringen auf Chinesisch beantwortet werden, obwohl es völlig offensichtlich sein muss, dass wir beide absolut gar nichts verstehen. Zum Glück erbarmte sich eine Frau am Nachbartisch und wir bekamen zusätzlich eine kleine Schale sehr leckeren Reis mit Hackfleisch. Die noch viel besseren Nudeln waren einfach zu bestellen – das Pärchen gegenüber bekam die Nudeln und man musste einfach nur darauf zeigen ;) Irgendwie geht es immer. Und so wurden wir dann sehr neugierig beäugt, wie wir 1. Stinky Tofu, 2. mit Stäbchen und 3. mit sichtlich großem Genuss aßen – was für Europäer in Luodong absolut keine Selbstverständlichkeit zu sein scheint.

Viel mehr haben wir in Luodong nicht mehr gemacht – für die Berge etwas zu essen eingekauft, einem Gitarrenspieler gelauscht, und ein bißchen durch die Straßen gewandert. Chiao-Ping hat uns dann abgeholt und dann sind wir sehr schnell sehr müde ins Bett gefallen. Dieses Mal nicht klimatisiert – aber immerhin gab es einen Ventilator – und vor allem gab es einen unglaublich schönen Sonnenaufgang von der Dachterrasse zu bewundern.

Am Donnerstag früh ging es dann mit Sack und Pack los in die Berge. Nach einer langen Fahrt, auf der viele Fotos gemacht und gleich wieder gelöscht wurden, weil kein einziges auch nur annähernd diesen großartigen Ausblick herankommt, kamen wir kurz nach Shih-Chieh in den Bergen an. Dann musste Henrik seine Bergsteigerfähigkeiten beweisen. Über haarsträubende Wege ging es zur Versuchsfläche – am Ende waren wir beide klitschnass, aber nicht wegen des Regens oder Nebels, sondern weil man bei 20°C, quasi 100% Luftfeuchtigkeit und körperlicher Anstrengung so dermaßen schwitzt, dass Regen und Nebel völlig zweitrangig sind. Henrik hat sich den schwarzen Gürtel im Bergsteigen redlich verdient – ich hingegen habe mich gefragt, wie um alles in der Welt ich da vor zweieinhalb Jahren drei Monate nach meiner Knie-OP überhaupt runter und wieder hoch gekommen bin.
Am Abend wurde dann gegrillt, getrunken, gelacht, dann wurden die Schlafsäcke zusammengezippt und geschlafen. Natürlich war die Nacht nicht annähernd so kalt, wie letzten Mal – ich habe sogar geschwitzt ohne Ende (wenn man auch mit so einem Ofen zusammen im Schlafsack liegt…) und jetzt darf ich mir die ganze Zeit anhören, dass es ja gar nicht kalt gewesen wäre…

Am nächsten Morgen gab es eine weitere harte Wanderprüfung zum Yuanyang-Lake, echter Urwald, riesige bemooste Rhododendren, überall Wasser, von oben, unten, vorne, hinten und ein ziemlich erledigter Henrik, der zusammen mit einer ziemlich erledigten Bettina nach drei Stunden wieder klitschnass in der Hütte ankam, wo uns nach einem kritischen Blick von Chiao-Pings Tochter (6 Jahre) nach einem “Warte!” erstmal ein Fön präsentiert wurde. Es ist einfach unglaublich wieviel Deutsch dieses Kind versteht und spricht – und Englisch noch dazu. Außerdem haben wir viele nützliche Worte wie “Affe”, “Katze”, “Banane” gelernt, und das Zählen von 1 bis 10 aufgefrischt – dieses Kind ist der beste Sprachlehrer, den man sich vorstellen kann.

Am Nachmittag fuhren wir dann alle zusammen zurück nach Yilan, wo wir unsere Wäsche eingesammelt haben und dann in einem kleinen Restaurant von einer Bekannten von Chiao-Ping alle zusammen gegessen haben. Sehr lecker – wie immer – sehr cool und untaiwanisch eingerichtet, bedient von ihren beiden Kindern, die gar nicht fassen konnten, wie groß wir sind.

Zurück in Hualien haben wir kurz unsere Mails gelesen, und nachdem Günter (ein Bekannter von mir von meinem ersten Aufenthalt) geschrieben hatte, dass er am Wochenende bei seiner Familie in Taichung sein würde, dachten wir uns: Taichung = Westküste = weniger Taifun = trotzdem näher am Süden = näher am Surfen = guter Plan. Samstag mittag hat Shih-Chieh uns also dann zum Bahnhof in Hualien gefahren und für uns die Karten nach Taichung gekauft: 394 km in etwa 5 Stunden, einmal umsteigen in Taipei für 18 EUR pro Kopf. Mit dem Auto hätte man einmal quer durch Taiwan fahren können, aber für diese 220 km hätte man 6-7 Stunden gebraucht. Wenn man hier Zug fährt muss man immer um die Insel herumfahren, und seit dem großen Taifun im August ist die Südstrecke immer noch gesperrt, sprich von Osten nach Westen muss man immer über Taipei fahren.

In Taichung angekommen stand Günter schon am Bahnhof bereit und eröffnete uns, dass er uns gleich in unser Hotel (1400 NTD = 30 EUR für zwei Personen) und dann zur Familie seiner Frau fahren würde. Heute sei Mondfest – ein wichtiges Familienfest – und wir seien eingeladen, mitzufeiern.

Wow. Soviel Gastfreundschaft. Soviel Essen. Soviel Glück zu haben, so etwas mitmachen zu können. Ja, wir haben auch die Schweinefüße gegessen – das soll Glück bringen – auch wenn mein erster Gedanken war: bitte, lass das nicht das sein, wonach es aussieht. Am Mondfest trifft sich die ganze Familie und grillt, es gibt Feuerwerk und eine Menge zu essen. Ein Teil der Familie sprach sehr gut Englisch, Günters Frau ist Englischdozentin an der Uni, die restliche Verständigung lief über viel Lächeln, kleine Verbeugungen, Gesten, “Xie xie” (Danke) und einem Satz Japanisch – ich muss dringend mein Japanisch wieder aufbessern – ein Jammer, denn der Vater sprach nur Chinesisch – und eben Japanisch.

Vollgefressen fielen wir dann im Hotel aufs Bett und stellten begeistert fest, dass es sogar Internet gibt. Zwei Anrufe daheim, Mails und Taifunwarnungen checken und ich schlief ein. Bis ich von Henrik wachgeschüttelt wurde – dachte ich zumindest, denn nicht Henrik schüttelte mich, sondern das kleine Erdbeben – nur ein paar Sekunden, gar nicht so stark, aber das Gefühl war schon sehr komisch. Das Epizentrum lag in der Nähe von Hualien, es gab dort die ganze Nacht über auch kleine Nachbeben, aber anscheinend ist zum Glück nichts passiert – Shih-Chieh schrieb, dass das Alltag in Hualien ist, und Chiao-Ping hat es in Yilan komplett verschlafen. Was die Taifune angeht: so ganz klar scheint nicht zu sein, was die Taifune vorhaben – wahrscheinlich sind wir erst am Montag ein bißchen schlauer. Unser Zimmer hier ist bis Montag gebucht, dann sehen wir weiter, in eineinhalb Stunden werden wir erstmal von Günter und Familie abgeholt. Auf dem Programm stehen Sightseeing, ein Besuch in einem Restaurant, das zwei US-Amerikanern gehört, denen wiederum ein Surfshop in Kenting gehört (was für ein passender Zufall :) ) und ein Besuch in einem riesigen Computerladen, wo der Neffe von Günters Frau arbeitet, und uns sicher einen Rabatt auf die sowieso schon unglaublich günstigen Netbooks geben kann (was für ein passender Zufall Nummer zwei ;) ).

Mehr dann vielleicht heute abend…viele Grüße aus Taichung!

P.S.: Für eine größere Ansicht der Bilder einfach auf die Bilder klicken!

September 29, 2009

Raindrops keep falling on my head

Einsortiert unter: Arbeit, Essen, Hualien, Uncategorized — giraffe @ 7:59 vormittags

Dieses Mal ein zeitnahes und deswegen kürzeres Update – nach einem Tag in Hualien ist es vorbei mit dem schönen Wetter. Als wir heute früh zur Uni gelaufen sind, standen Teile der Gehwege knöcheltief unter Wasser, so dass wir eher gewatet als gelaufen sind. So wie es aussieht, könnte es gegen Ende dieser/Anfang nächster Woche noch um einiges feuchter werden, denn der Taifun Parma ist im Anmarsch – genauere Infos zur Entwicklung und dem genauen Weg, den der Sturm zurücklegen wird, findet ihr auf der Wetterwebsite – links unter Typhoons. Wir sind gespannt. Aber dieser Regen hier ist so wundervoll – erfrischend, warm, angenehm, man ist versucht, einfach gar keinen Regenschirm zu benutzen, aber das würde in Kombination mit den klimatisierten Räumen wahrscheinlich nicht gut enden.

Heute vormittag habe ich dann meinen Vortrag hinter mich gebracht – wirklich viel verstanden hat glaube ich aber niemand, da es erstens das Englischproblem gibt, und außerdem die Studenten sich hier eher mit Pflanzen und Atmosphäre beschäftigen – nicht mit Boden. Henrik saß tapfer hinten drin, und hat sich angehört, was ich so treibe, wenn ich nicht in Berlin bin. Danach sind wir mit Shih-Chieh und den Studenten an einen kleinen See gefahren und haben dort in einem Ureinwohnertouristenrestaurant gegessen – unglaublich lecker. Man holt sich eine kleine Schale mit Reis, und dann werden alle anderen Gerichte auf dem Tisch buchstäblich aufgehäuft – soviel zu essen (Shrimps, Schweinehaut, ein ganzes Huhn, eine Art Pfannkuchen mit einem komischen Kraut, eine Art Tortilla, viele verschiedene uns völlig unbekannte Gemüse mit viel Knoblauch, Bittermelone, Guave, Gebäckröllchen, Tofu… – und dann bedient sich jeder von allen Tellern. Ich muss sagen: ich liebe diese Art zu essen! Henrik hat die Anwesenden erst mit seinen Fähigkeiten, eine Flasche Bier mit einem Feuerzeug zu öffnen, beeindruckt, und dann mit seinen nicht vorhandenen Fähigkeiten, einen Shrimp zu verzehren, amüsiert. Alles in allem war es superlustig, lecker und entspannend, mitten in diesen wahnsinnig grünen und wolkenverhangenen Bergen zu sitzen.

Morgen um viertel vor elf fahren wir mit Tien-I nach Yilan, um eine Ladung Wäsche bei Chiao-Ping zu waschen – und natürlich auch, um die nächste Projektbesprechung hinter uns zu bringen. Und dann geht es endlich in die Berge. Henrik hat inzwischen von mehreren Seiten bestätigt bekommen, dass es wirklich sehr kalt sein könnte – denn eine Heizung gibt es da oben ja nicht. Und heute früh hat er sich geärgert, dass der vorgestern in Taipei eine Sonnenbrille und nicht einen Regenschirm gekauft hat :)

Ich muss sagen, dass ich ganz schön froh bin, ihn dabei zu haben, nicht nur aus den naheliegenden Gründen ;) sondern einfach auch deswegen, weil es sich zu zweit einfach so viel besser reisen lässt. Inzwischen habe ich auch Gimp auf meinem Rechner, deswegen gibt es heute auch ein paar nettere Bilder zu sehen…

September 28, 2009

Von Taipei nach Hualien

Einsortiert unter: Arbeit, Hualien, Sightseeing, Taipei, Uncategorized — giraffe @ 7:00 vormittags

Die erste Etappe haben wir hinter uns – ein bißchen anspruchsvoll, aber mit unseren überragenden Chinesischkenntnissen haben wir auch diese Hürde meistern können ;)

Die Zugfahrkarten nach Hualien am Schalter zu bekommen, war eher unmöglich – die freundlich lächelnde Dame wies uns darauf hin, dass sie uns nicht verstünde, und wir doch bitte zum “information desk” gehen sollten. Hualien hätte sie vielleicht verstanden, allerdings mussten wir ein paar Stationen weiter nach Shoufeng – das ist die Haltestelle, die am nächsten an der Uni liegt. Am “information desk” wurde uns dann geholfen, alles auf Chinesisch aufgeschrieben, und als wir uns gerade wieder am Schalter einreihen wollten, kam uns sogar jemand hinterhergelaufen und hat für uns die Tickets im Eilverfahren am Automaten geholt. Dass der Automat tatsächlich auch Englisch spricht, wurde uns dann erst klar. Allerdings wäre es trotzdem nicht ganz simpel gewesen, die Karten zu bekommen, aber jetzt wissen wir, wie es geht, und vielleicht schaffen wir es das nächste Mal auch ganz alleine ;)

Als wir heute früh um 07:00 Uhr dann am Gleis standen, hatten die Züge, die vor unserem Zug ankamen Verspätung (das wurde tatsächlich auf den Anzeigetafeln auf Englisch angezeigt). Was aber nicht angezeigt wurde, war die Gleisänderung für unseren Zug. Zum Glück fuhr der am gleichen Gleis gegenüber und zum Glück hatten wir uns vorher ausgiebig aus Langeweile mit den Schriftzeichen des Zielortes unseres Zuges auseinandergesetzt, so dass uns zum Glück aufgefallen ist, dass dieser Zug auf dem anderen Gleis angezeigt wurde. Wie gesagt….unser perfektes Chinesisch *hüstel*

Bei leichtem Regen ging es dann drei Stunden lang die Ostküste hinunter über Yilan und Hualien nach Shoufeng, wo wir von Tien-I (einem Studenten, den ich noch vom letzten Mal kenne) aufgesammelt wurden, und zum Gästehaus gebracht wurden. Der Preis pro Nacht ist etwas günstiger als in Taipei, aber das Zimmer ist größer und etwas luxuriöser. Frühstück ist ebenfalls wieder mit drin. Eine Stunde später hst uns Shih-Chieh (der Professor des Lehrstuhls, mit dem wir zusammenarbeiten), dann abgeholt und zum Mittagessen eingeladen, und jetzt sitzen wir beide im Labor, Henrik hat ebenfalls Internetzugang und kann ein bißchen die Zeit totschlagen, während ich meine Präsentation fertigmache. Morgen um 10:00 Uhr darf ich hier vor versammelter Mannschaft meine Ergebnisse vorstellen. Mal sehen, was das wird.

Die letzten Tage in Taipei waren warm und schwül, wir sind unglaublich viel gelaufen, denn Busfahren ist eher eine Herausforderung. U-Bahn ist kein Problem, alles ist sehr gut auf Englisch ausgeschildert, aber Busschilder bleiben eher unleserlich. Trotzdem konnten wir schon ein paar Mal das Busfahren genießen, wenn wir mit Bekannten von mir unterwegs waren – in die Linienbusse passen wir kaum hinein, weder stehenderweise (da fehlen nach oben ein paar Zentimeter zum entspannten Stehen), noch sitzenderweise (da fehlen nach vorne ein paar Zentimeter zum entspannten Sitzen).

Am Samstag haben wir uns dann mit John und Ming-Jer getroffen. John habe ich damals auf dem Hinflug nach Taiwan kennengelernt – er ist fast so groß wie ich und kam damals von einer Deutschland/Österreich/Schweiz-Express-Rundreise. Er gab mir seine Visitenkarte und ich habe mich damals dann spontan bei ihm gemeldet, als ich in Taipei war. Er hat sich jeden Abend Zeit genommen und mir noch etwas von der Stadt gezeigt, die Verständigung klappt auch sehr gut. Ming-Jer hatte ich – wie Tien-I auch – bei meinem ersten Aufenthalt in Hualien kennengelernt.

Vormittags haben wir uns das riesige Chiang-Kai-Shek-Memorial angeschaut, dann gab es Mittagessen in einem typisch taiwanischen Restaurant – der Klassiker: beef-noodle soup – eine Nudelsuppe mit Rindfleischstücken – sehr beliebt in Taiwan. Ich habe mich eher auf die Nudeln mit einer unglaublich leckeren Sojasauce – oder zumindest sowas ähnlichem – gestürzt. Nachmittags sind wir dann in den Botanischen Garten, das Historische Museum und den Konfuziustempel, wo gerade eine Art Generalprobe stattfand. Heute ist der große Tag für Konfuzius und der Tag der Lehrer – und die Zeremonie wurde am Samstag geprobt. Sehr beeindruckend, auch wenn uns keiner genau sagen konnte, was da genau gemacht wurde. Die Farben, die Musik, die Gerüche, viele Kinder, die daran beteiligt waren. Religion mal ganz anders.

Am Abend sind wir dann nach Danshui gefahren, das ist der Ort, wo der Fluss Danshui, der auch durch Taipei fließt ins Meer mündet. Der Ort ist bekannt für seinen Nachtmarkt und da es Samstag abend war, war es dementsprechend voll. Ein paar Freunde von John kamen auch noch mit dazu und so haben wir uns dann unter fachkundiger Anleitung einmal quer durch den Markt gefressen – anders kann man das kaum nennen ;) Am Abend waren wir dann so fertig, dass wir uns den Sonntag erstmal fürs Ausschlafen reserviert haben.

Der Plan ging nicht ganz auf, nachdem irgendwann das Zimmermädchen sehr vehement gegen die Tür klopfte, obwohl wir das “Do not disturb” rausgehängt hatten. Die folgende Szene hätte ich ja gerne auf Video:

Ich torkele sehr verschlafen in die Bettdecke gehüllt an die Tür und mache auf, vor mir steht das Zimmermächen und gestikuliert Richtung Zimmer.

Ich: “No, it’s ok, you don’t need to clean it today, it’s fine!”
Sie sieht mich fragend an und schüttelt den Kopf: “No?”
Ich: “No, it’s ok!”
Sie deutet ins Zimmer: “Yes?”
Ich schüttele den Kopf: “No, it’s ok!”
Sie versucht, ins Zimmer zu gehen: “Ok?”
Ich stelle mich ihr in den Weg: “No, no, you don’t need to!”
Sie deutet in den Flur und bewegt sich Richtung Aufzug: “Yes, yes?”
Ich: “Yes, it is ok!”

Und dann verschwand sie, und wir konnten endlich weiterschlafen.
Nachdem wir dann doch irgendwann gegen halb eins aufgestanden waren, sind wir zum Taipei Museum of Fine Arts gefahren und haben uns eine sehr coole Pixar-Ausstellung angesehen – http://www.tfam.museum/index.aspx.
Dummerweise war Sonntag nicht der ideale Museumstag, es war unglaublich voll, und wir liefen im Gänsetempo in einer sich sehr langsam fortbewegenden Schlange an den Ausstellungsstücken vorbei. Nach 10 Minuten habe ich dann Ohropax und Henrik seinen mp3-Player benutzt, weil es so unglaublich laut war, dass man Kopfschmerzen bekommen hat. Die Ausstellung war trotzdem sehr sehr cool. Am Abend haben wir dann noch einmal John getroffen und haben mit ihm Shabu-Shabu gegessen – eine Art japanisches Fondue und ein bißchen das Taipei 101 und die angrenzenden Kaufhäuser unsicher gemacht, bevor wir uns dann das Wahlergebnis angetan haben. Nach einer kurzen Nacht ging es dann zum Bahnhof.

Hier in Hualien werden wir bis Mittwoch früh bleiben, am Mittwoch werden wir dann wohl nach Yilan fahren – angeblich steht der Plan noch, wir lassen uns überraschen. Dann zwei Tage in die Berge, Henrik bekommt langsam Angst, dass es dort in der Nacht wirklich so kalt ist, wie ich erzählt habe – auch wenn man sich das bei 28-30°C und den 80% Luftfeuchtigkeit, die wir hier haben, schwer vorstellbar ist.
Vielleicht fahren wir dann noch einen Tag nach Hualien zurück und schauen uns einen Nationalpark hier in der Gegend an (Taroko Gorge – den ich schon kenne), vielleicht fahren wir auch zurück nach Yilan – denn wir haben gehört, man soll dort Surfen können. Henrik hat den Pazifik heute vom Zug aus schon einer kritischen Musterung unterzogen, ich glaube, er kann es kaum noch erwarten :)

Mehr gibt es dann morgen oder übermorgen, ein paar Fotos laden wir dann extra hoch, wir müssen die Bilder erst noch auf meinen Laptop überspielen.

September 18, 2009

Noch fünfmal schlafen…

Einsortiert unter: Arbeit, Hualien, Ilan, Penghu, Sightseeing, Surfen, Taipei, Vorher — giraffe @ 11:52 vormittags

…und dann heißt es: Hoffen auf einen Sitz am Notausgang, oder im allerbesten Fall ein Upgrade…träumen darf man ja immer!

Am Mittwoch werden wir uns wieder aufmachen, Taiwan zu erkunden. Für Henrik ist es das erste Mal Asien – ich freu mich ja schon fast auf den Kulturschock *hrhr* – mich verschlägt es nach April 2007 jetzt zum zweiten Mal auf diese außergewöhnliche Insel.

Nach der Ankunft in Taipei werde ich dort einen Vortrag am Taiwan Forestry Research Institute halten und den weiteren Verlauf der Forschungsarbeit mit diesem Institut besprechen. Das Wochenende werden wir größtenteils mit John verbringen – einem Taiwaner, der mich schon das letzte Mal durch den Großstadtdschungel geführt hat (ich hatte ihn damals auf dem Hinflug nach Taipei kennengelernt). Am Montag geht es weiter nach Hualien, wo ich ebenfalls einen Vortrag halten und das weitere Vorgehen besprechen werde. Am Mittwoch fahren wir für einen Tag nach Yilan, da gibt es eine weitere Projektbesprechung, und von dort aus geht es dann für zwei Tage zur Versuchsfläche in die Berge. Und danach ist Urlaub angesagt. Einen wirklichen Plan gibt es nicht…eventuell Taichung, Kaohsiung und die Penghu-Islands. Sonne, Surfen, Sightseeing – auf dass wir von Taifunen und lustigen Grippeerregern verschont bleiben!

Auf der rechten Seite gibt es ein paar nützliche Links – ich werde versuchen die bei GoogleMaps hinterlegten Städtenamen zu benutzen, damit ihr nachvollziehen könnt, wo wir uns herumtreiben.

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