“Point it!” – dieses Buch hat uns in den letzten Tagen ganz schoen geholfen. Sei es auf der Suche nach einer Toilette, bei der Frage, welche Frucht denn nun in diesem Milchshake drin ist oder von welchem Tier bzw. von welchem Teil des Tieres das Stueck Fleisch auf dem Teller stammt. Fuer alle, die es nicht kennen: “Point it!” ist ein Woerterbuch ohne Woerter – einfach nur unglaublich viele Fotos von allem was man wissen/brauchen/fragen koennte. Wenn ihr in ein Land fahrt, wo ihr die Sprache nicht beherrscht: kauft es! Es ist nicht nur hilfreich, hier freut sich auch jeder drueber, weil hier noch niemals jemand sowas gesehen hat.
Euch ist vielleicht aufgefallen, dass ich ohne Umlaute auskommen muss – ich liege auf unserem Kingsize-Bett und missbrauche Henriks neues Spielzeug, weil unser Adapter hier nicht in die Steckdosen passt. Als wir am Montag vor dem Surfshop standen, mussten wir feststellen, dass er geschlossen war. Nach einem weiteren Milchshake im Restaurant, in dem wir mit Guenter waren, wurde uns von der Besitzerin zu verstehen gegeben, dass sie es fuer gar keine gute Idee halten wuerde, nach Kenting zu fahren. Zuviel Regen wegen des Taifuns – unsere Plaene fielen damit buchstaeblich ins Wasser. Nach laengerer Ratlosigkeit beschlossen wir dann, uns dem Taifun Stueck fuer Stueck zu naehern, denn die Vorhersage lies bereits nichts Gutes fuer die Philippinen vermuten. Tainan war da die naheliegendste Loesung, und drei Stunden spaeter standen wir endlich suedlich des Wendekreises des Krebses am Hauptbahnhof von Tainan. Auf dem Weg hatten wir uns schon ein Hotel im Lonely Planet (auch ein Buch, was man zum Reisen nur empfehlen kann!) ausgeguckt, und marschierten direkt zur Touristeninformation, denn ein Nachteil des Lonely Planets ist, dass Namen von Hotels und Restaurants bzw. Strassennamen nicht immer in chinesischen Schriftzeichen neben der englischen Uebersetzung stehen. Und mit der englischen Uebersetzung koennen die allerwenigsten Taiwaner etwas anfangen. Allerdings schien die Frau im Tourismusbuero auch nicht zu verstehen, zu welchem Hotel wir wollten, bis wir auf den Strassennamen zeigten, ihr Gesicht hellte sich auf, sie laechelte und nickte und kritzelte ein paar Zeichen auf ein Blatt Papier. Damit liefen wir dann zum naechstbesten Taxifahrer, der uns vor einer beeindruckenden Lobby absetzte. Ein Hotel aehnlichen Aussehens in Deutschland wuerde fuer mich eher in die Kategorie “unbezahlbar” fallen. Dementsprechend skeptisch gingen wir zum Empfang, denn irgendwie stand auch nirgends der englische Name, der uns im Lonely Planet versprochen worden war. Auf unsere Frage, wieviel ein Zimmer denn kosten wuerde, wurden wir dann mit der Entscheidung konfrontiert, entweder ein normales Bett/Zimmer fuer 15 EUR pro Person und Nacht zu nehmen oder die Kingsize-Version fuer 17 EUR pro Person und Nacht. Nun ja, was soll ich sagen – die Entscheidung fiel uns jetzt nicht wirklich schwer. Im Zimmer angekommen kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: riesiges supergeiles Bett, Fernseher, Safe, Minibar, Buegeleisen, Buegelbrett, Waage, Sitzecke, heisses und kaltes Wasser zum Trinken, sowie Kaffee, Tee, Kakao, und dazu eine Million Schnickschnack, die wir vorher noch in keinem Hotelzimmer gesehen hatten, schon gar nicht in einem Hotelzimmer zu dem Preis. In dieser Preiskategorie findet man in Deutschland hoechstens andere Menschen im Zimmer, weil es ein Mehrbettzimmer in einem Hostel ist. Zum Abendessen haben wir zum (deutschen) Preis von etwa 50 EUR Sushi gefuttert und dafuer umgerechnet 10 EUR bezahlt. Habe ich schon erwaehnt, dass Sushi hier guenstig ist?
Das Fruehstueck haben wir mal wieder verschlafen und uns dann daran gemacht, die vom Lonely Planet empfohlene Stadttour zu laufen. Nach kurzer Zeit stand fest, dass Tainan keinesfalls nur ein Verlegenheitszwischenstopp, sondern eine wirklich coole Stadt ist. Frueher die Hauptstadt von Taiwan ist Tainan heute eine moderne Stadt mit wahnsinnig vielen Tempeln und anderen historisch wichtigen Gebaeuden. Nicht zu vergessen die Skateshops (wo uns der Weg zum staedtischen Skatepark gewiesen wurde – morgen abend gehen wir Skater gucken und Henrik wird hoffentlich sehr gluecklich sein
) und die Surfshops (in denen wir leider nicht bedient wurden, weil der Shop wahnsinnig dringend geschlossen werden musste, weil der Eigentuemer wahnsinnig dringend surfen gehen musste
). Und nicht zu vergessen: unsere neuen Lieblingsgetraenke: Grapefruitsaft mit gruenem Tee und gruener Tee mit Milch. Ausserdem: japanische Nudelsuppe zum Abendessen, Geistergeld in den Taschen und ein unglaublich gutes Foto von einem alten Mann, der Setzer war und fuer uns vor seinen Setzkaesten posiert hat.
Morgen werden wir noch zwei Sehenswuerdigkeiten in Tainan City erlaufen, dann mit dem Taxi zum Fort Zeelandia fahren – Zeugnis der Kolonialherrschaft der Niederlaender in Taiwan. Am spaeten Nachmittag dann Skatepark besuchen und am Donnerstag geht es weiter. Nach Sueden. Ins tropische Kenting. Die Wettervorhersage ist ungewiss, aber der Taifun wandert nach Sueden, sprich, da wird es keine Probleme geben. Und nachdem wir heute wider Erwarten den ganzen Tag ueber keinen Tropfen Regen gesehen haben, sind wir zuversichtlich, dass wir auch weiterhion Glueck haben werden…
